Zweiter Frühling

Als eine Folge der Corona-Krise erhielten im Frühjahr unzählige Bücher, Autorinnen und Autoren sowie Themen und Fragestellungen keine Aufmerksamkeit. Sie fanden nicht statt in den öffentlichen Räumen und sie fanden damit nicht zu den unmittelbaren Begegnungen, die im Idealfall Literatur ins Gespräch bringen. Ganze Verlagsprogramme, etliche Debüts und unendlich viele Geschichten blieben damit weitgehend im Verborgenen. Dem begegnet die Aktion ZWEITERFRÜHLING, zu deren Partnern wir gehören. ZWEITERFRÜHLING ist eine Kampagne von literaturhaus.net, dem Netzwerk der Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als Solidaritätsaktion stellt sie den kulturellen Wert und die Nachhaltigkeit von Büchern ins Zentrum. Alle beteiligten Partner werden Bücher, die von Februar bis Juli 2020 erschienen, bis zum Sommer 2021 in ihre Programme aufnehmen. Deshalb finden Sie in dieser Vorschau neue Termine für die Lesungen mancher Schriftsteller, die schon im Frühjahr bei uns hätten auftreten sollen. Ab Mitte März jedoch mussten wir alle Veranstaltungen absagen. Um Sie dennoch auf die Neuerscheinungen aufmerksam zu machen, haben wir – soweit es möglich war – unsere Homepage zum Veranstaltungsort gemacht. Gespräche von Matthias Politycki, Lutz Seiler, John von Düffel und Michael Kumpfmüller zu ihren im Frühjahr erschienenen Büchern können Sie dort noch immer unter der Rubrik „Im Gespräch bleiben“ lesen.

Parallel zur Entwicklung alternativer Veranstaltungsformate mussten wir aber auch schon im Frühjahr mit der Organisation des Herbstprogramms beginnen. Es war nicht einfach, so ins Blaue hinein zu planen. Bei der Verabredung der Termine mit den Verlagen stand noch lange nicht fest, ob und wann auch Veranstaltungshäuser wieder ihre Türen für Besucher öffnen können. Deshalb gilt, Sie ahnen es bereits, für alle Ankündigungen dieser Vorschau der Hinweis: unter Vorbehalt. Gewiss schien uns bei den Planungen nur, dass auch im September noch die Abstandsregeln gelten werden, die uns seit Monaten verschreckt zur Seite springen lassen, wenn uns ein nicht zum eigenen Haushalt gehörender Mensch zu nahe kommt. Weil jedoch der Kostenaufwand hinter jedem Programmpunkt nicht kleiner wird, wenn weniger Besucher im Raum sind, haben wir schweren Herzens entschieden, alle Veranstaltungen zunächst bis Dezember aus dem Wilhelm13 in größere Räume zu verlegen. So gerne nämlich möchten wir nicht nur den Schriftstellern, sondern auch möglichst vielen von Ihnen einen zweiten Frühling ermöglichen.

Ed